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Kirche womöglich jünger als gedacht



Am Eingang der Altenrüthener Kirche hängt eine Bronzetafel, die die Geschichte des Gotteshauses beschreibt. Ob die mitsamt der Geschichte der Pfarrkirche vielleicht umgeschrieben werden muss, fragten sich die Altenrüthener nun beim Heimatnachmittag. Besonders steht das Baujahr im Fokus.

Die Dozenten Pastor Bernd Götze und Heimatforscher Karl-Friedrich Hillesheim setzten die Informationsreihe über die Altenrüthener Kirche fort.

Pastor Bernd Götze war dazu noch während seiner Dienstzeit als Pfarrer durch die alten Gemäuer gegangen – und gekrochen – und hatte dabei im wahrsten Sinne des Wortes in dunkle und enge Ecken geleuchtet. So beginnt die Geschichte der Kirche den Aufzeichnungen nach im 9. Jahrhundert, als eine kleine karolingische Saalkirche im Bereich des heutigen Turmes errichtet wurde. In der Mitte des 11. Jahrhunderts fand eine deutliche Erweiterung statt, als ein romanisches Kirchenschiff mit flachen Decken östlich angebaut wurde. Sodann erfolgte der Abbruch der Saalkirche und der Bau eines Westwerkes, das im Wesentlichen noch heute besteht.

Das große Westwerk könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Kirche als Abteikirche geplant war, mutmaßte Götze. Dass es anders gekommen ist, könne auch politische Gründe gehabt haben. Ein Kloster hätte auch herrschaftliche Pflöcke eingerammt. Hinweise könnten Funde bei Ausgrabungen liefern.

Im 12. Jahrhundert wurden an den Turm und vermutlich auch an dem Kirchenschiff statt der flachen Decke Gewölbe gebaut und das Bauwerk um ein Geschoss aufgestockt. Das Untergeschoss musste auch aus statischen Gründen verändert werden. Massive statische Probleme und bauliche Mängel hat der damalige Architekt Nikolaus Tendel nach dem Dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert protokolliert. Die Kirche wurde intakt gehalten – die Mauern aus Haarstein etwa mit Rüthener Grünsandstein verblendet. Sie ist keineswegs aus einem Guss. Einige Jahre später erfolgte ein kompletter Neubau des Kirchenschiffes. Ein fast identischer Bau findet sich 1752 kleiner und weniger aufwendig errichtet in Altengeseke. „Wahrscheinlich rührt die Umfunktionierung des Altenrüthener Turmuntergeschosses zur Rumpelkammer aus dieser Zeit“, sprach Götze Klartext.

Im 20. Jahrhundert wurde das Turmuntergeschoss renoviert und die barocke Umgestaltung teils beseitigt.


Der Frage nach dem Zeitpunkt der Erbauung des heutigen Kirchengebäudes ging dann Karl-Friedrich Hillesheim nach. Zunächst ließ er die zahlreichen Verfechter zu Wort kommen, welche die Meinung vertreten, dass der heutige Kirchenbau 1664 bis 1667 durch den Architekten Tendel errichtet wurde. Diese Auffassung wird auch auf der Bronzetafel am Eingang der Kirche dokumentiert. Dagegen steht die Position, dass der heutige Kirchbau erst 100 Jahre später errichtet wurde. Hillesheim wies anhand von Dokumenten aus dem Landesarchiv in Münster nach, dass die Kirche aufgrund von Baufälligkeit 1755 „von Grund auf“ neu erbaut werden musste. Sie wurde von Pastor Friedrich Kreilmann, dem späteren Abt von Kloster Grafschaft, nach dem Muster der Grafschafter Klosterkirche errichtet, die als die „schönste Kirche im Herzogtum Westfalen“ galt. Somit könnte die Pfarrkirche 100 Jahre jünger sein als gedacht.

Danach machte Hillesheim die prächtige Innenausstattung zum Thema – und dabei die große Monstranz von Altenrüthen, die derzeit im Stadtmuseum Belecke lagert. Von der Rückseite der Monstranz sagen viele, dass sie prächtiger gestaltet sei als bei manch anderen die Vorderseite. Der frühere Pfarrer Heinrich Kühle hatte diese Monstranz als ein Geschenk der Altenrüthener Kreuzbruderschaft eingeordnet. Auch hier kommt die Klärung aus dem Landesarchiv in Münster, wo Urkunden belegen, dass sie aus der Auflösung des Dominikanerklosters in Soest stammt und in Münster zwischen 1700 und 1738 gefertigt wurde.

Dorfgedächtnis
zum Jubelfest

Hillesheim entließ die Altenrüthener nicht ohne den Appell, beim Aufbau eines interaktiven Foto-, Film- und Textarchivs als Dorfgedächtnis mitzuwirken – gern auch in digitaler Form. Zu dem 950-jährigen Dorfjubiläum 2022 könne daraus ein Kirchenführer entstehen. Eine Ausstellung mit Bildern des Malers Alfons Heurich war eine weitere Idee.

Quelle: Marcus Kloer - derpatriot.de


Der starke Mann im Zwergenland

Kindergeschrei dringt durch die Flure im Altenrüthener Zwergenland. Die Erzieherinnen haben gut zu tun, sich um die kleinen Knirpse zu kümmern. Zum Glück gibt es da auch noch Jan. Der 19-Jährige ist eigentlich gelernter Elektroniker. Aber hier, im Kindergarten, hat er seine Berufung gefunden.

Jan Laube sitzt mit den Kleinen in der Spielecke, sieht ihnen beim Kritzeln am Maltisch zu oder beaufsichtigt beim Buddeln im Sandkasten. Er absolviert ein 900-Stunden-Praktikum – arbeitet also ein halbes Jahr mit. Und danach will er seine Ausbildung zum Erzieher beginnen. Auch, wenn er natürlich nicht der erste Mann im Familienzentrum Zwergenland ist – es sei an Erzieher Karsten Wicker aus Westereiden erinnert – ist dieses Bild immer noch die Ausnahme. Dabei ist das Geschlecht doch total egal, findet Jan Laube. Praktischerweise wohnt der 19-Jährige auch noch direkt neben der Einrichtung.

Dabei kommt Jan eigentlich aus einer klassichen Handwerker-Familie – und trotzdem sieht er seine berufliche Zukunft woanders. „Man sollte einfach an seine Stärken denken. Wenn man Haare schneiden will, soll man Haare schneiden – auch als Mann.“

Aber seine Berufung zu finden, ist nicht immer einfach. Auch Jan wusste nicht von Anfang an, dass ihm eher die sozialen Tätigkeiten liegen. Nach der Schule hat er nämlich zunächst eine traditionell männlich geprägte Berufslaufbahn eingeschlagen – und sich für eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik entschieden. Die hat er auch nach dreieinhalb Jahren erfolgreich abgeschlossen. Aber dann kam er ins Grübeln. „Ich habe dort keine Perspektive für mich gesehen“, erklärt Jan. Nach der Schule machten allen seine Freunde eine technische Ausbildung, so auch er. „Ich habe mich damals als Junge nicht getraut, etwas anderes, also etwas Soziales, zu machen“, berichtet er weiter.

„Die Ausbildung war trotzdem wichtig und nicht für die Katz. Sie hat mich auf jeden Fall weitergebracht.“ Bei den Prüfungsvorbereitungen habe er dann deutlich gespürt, dass er in einen sozialen Beruf wechseln möchte. „Ich wusste, dass ich nicht weiter in meinem Beruf als Elektrotechniker investieren will.“

Die Ausbildung war wichtig und nicht für die Katz.

Jan Laube über seinen bisherigen Werdegang

Und diesmal überwand er seine Scheu. Jan machte sich seine Stärken bewusst – und wagte es, einen neuen Weg einzuschlagen. „Ich bin sozial, offen und kann schnell Kontakte knüpfen“, erzählt er. Zudem habe er einen jüngeren Bruder, mit dem er sich gerne beschäftigt. Da kam ihm die Idee, nebenan im Zwergenland ein Praktikum zu machen. Im August will er dann die Ausbildung in Soest zum Erzieher beginnen. „Mitte April bekomme ich Bescheid, ob ich genommen bin“, verrät der 19-Jährige etwas nervös. Denn trotz Notstand in Erzieherberufen, sind die Plätze an den Ausbildungsstätten begrenzt. „Auch dort merkt man den Lehrermangel“, fügt Jan hinzu.

Aber was genau fasziniert ihn so sehr an der Arbeit mit Kindern? „Ich mag es, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen. Nach einiger Zeit merkt man, dass sie einen als ein vollwertiges Mitglied ansehen.“ Das Wichtigste für Jan ist der Spaß an der Arbeit. „Natürlich gibt es immer auch was Nerviges, aber grundsätzlich sollte die Freude an dem Beruf überwiegen.“ Jetzt endlich, im Kindergarten, ist das der Fall.

Kindergartenleiterin Katrin Biene sieht jedenfalls großes Potential in dem angehenden Erzieher. „Jan bringt alle Basiskompetenzen mit, die man als Kindergärtner benötigt. Offenheit, Empathie, Gelassenheit und ein gutes Nähe-Distanz-Gefühl.“ Vor allem aber habe er Fingerspitzengefühl und das richtige Bild von einem Kind verinnerlicht. „Er besitzt viel Respekt und Wertschätzung für die Kinder.“

Jan erfährt nicht nur aus seinem privaten Bereich viel Zuspruch, sondern auch von den Eltern der Kinder. Sie bestärken den jungen Mann und sehen in ihm einen Ansprechpartner, bestätigt Katrin Biene. Manchmal sogar ein besserer als die Kolleginnen, verrät die Kindergartenleiterin. Zum Beispiel, wenn’s ums Fußballspielen geht. Und selbst seine Handwerkerfamilie ist stolz auf den Sohn: „Mein Vater musste sich erst daran gewöhnen, aber jetzt stehen alle hinter mir.“

Quelle: derpatriot.de